Eine unendliche Geschichte

Ein Auto, das ich nie wollte – und trotzdem nicht loslasse.

Es gibt Autos, die man sich wünscht – und Autos, die einem das Leben einfach in die Einfahrt stellt. 2021 habe ich den Wagen meiner Oma übernommen. Kein schlechtes Auto, keine Frage. Aber optisch… naja. Leasing-Silber, Stahlfelgen, eher funktional als begeisternd. Während ich heimlich immer dem sehr gut ausgestatteten schwarzen 211er meines Vaters hinterhergeschielt habe, stand nun dieser silberne „Buchhalter-Bolide“ vor mir.

Trotzdem: Er sollte mein neuer Daily werden. Probleme aus der Welt schaffen, ein wenig fahren, einige Umbauten – und plötzlich steckt man mitten drin. Heute steht der Wagen seit einem Jahr unbewegt und mit offenem Motor in der Garage, halb fertig, halb vergessen – und komplett Teil meiner mittlerweile wirklich unendlichen Geschichte.

Im Dunstkreis der Alten Schmiede ist der Wagen schon fast das Synonym für den Begriff "Groschengrab". Einfach aufgeben kommt aber auch nicht in Frage. Schließlich ist auch jeder Handgriff eine neu gesammelte Erfahrung. Somit ist das Auto also eher mein persönliches Lehrobjekt geworden. 


Die Anfänge

Ich habe das Auto an einem richtig warmen Sommertag abgeholt: 30 Grad, Sonne knallt, und der Karren steht natürlich noch auf Winterreifen. Immerhin lagen im Kofferraum ein Satz uralte, runtergefahrene 16-Zoll-Sommerräder auf Alus. Die stehen bis heute in meiner Garage rum und setzen Staub an. Sollte ich die mal verkaufen? Joa… aber wofür, bringt eh nix ein.

Die Überführung ging vom Rheinland Richtung Heimat bei Hamburg – mit einem „kurzen“ Abstecher über Gießen, weil da damals die Schwester meiner besseren Hälfte wohnte. Aber bereits auf dieser Tour fing die Karre an mir auf den Geist zu gehen.


Zu den Problemen:

Die Batterie war nach ein bis zwei Tagen Standzeit grundsätzlich tot. Auf der Fahrt nervte mich das nur im Hinterkopf. Der Navirechner? Komplett tot. Für Oma war das früher Drama pur. Mir egal, ich fahr halt mit Google Maps.

Dann die etwas dickeren Baustellen:

Das Wahlhebelmodul war am Spinnen. Von D in P oder R ging nur, wenn man die Zündung ausmachte oder wenn das Auto gerade zufällig Lust hatte. (Den Trick dahinter kannte ich damals noch nicht.)

Zusätzlich gab’s Fehlermeldungen zu ABS, ESP und BAS. Das führte dazu, dass die Lenkung ab Schrittgeschwindigkeit in den „Schwerathletik“-Modus ging. Rangieren war ein richtiger Kraftakt, als hätte jemand die Servolenkung beleidigt.

Leistung fehlte auch ordentlich. Und das lag nicht nur daran, dass ich sonst liebend gern den 320 CDI von meinem Vater bewegt habe. Selbst für die angegebenen 190 PS fühlte sich das Ding echt müde an.

Aaaaber: Die ersten 650 km liefen trotzdem ohne echte Aussetzer – ganz entspannt mit einer Tankfüllung. Hätte definitiv schlimmer starten können.

Zum Fahrzeug:

Außen silber, innen Teilleder. Standheizung, PDC, COMAND-Navi, Multikontursitze, Sitzheizung, schwenkbare AHK, Bi-Xenon, Einbruchwarnanlage. 
Baujahr 2005, also Vormopf, aber schon mit dem V6-Diesel. 

Das Auto wurde damals von einem Bekannten der Familie neu konfiguriert und gekauft. Das Auto ist dort einige Kilometer gerannt und auch der Erstbesitzer klagte schon über zu wenig Leistung. Warum er nicht zum 320CDI gegriffen hat, ist mir bis heute ein Rätsel. 
Bei der zuständigen MB-Niederlassung wurde jedenfalls so lange Stress gemacht, bis bei 88.000km tatsächlich durch MB auf Kulanz ein neuer Motor reinkam. Das war im Jahr 2009 und bezeugen auch reichlich Bauteile im Auto mit dem entsprechenden Stempeln. 

2014 hat mein Vater das Auto für meine Oma gekauft. Sie ist mit dem Auto in der Zeit bis 2021 ca. 40.000km gefahren. 
Wartungsstau? Jein! 
Es wurden einige Teile wie z.B. die Traggelenke bereits erneuert. Ölwechsel war eher zweitrangig und unregelmäßig, es gab aber welche. 
Immerhin wurde alles feinsäuberlich dokumentiert, inkl. Tank-Tagebuch.

2021 habe ich meinem Vater den Wagen in einem Tauschgeschäft abgenommen. Oma hat ersatzweise eine günstige, aber nicht schlechte Leasing-Schüssel bekommen.
Leider hatte das Auto auch mal einen kleinen Unfall. Es ist jemand hinten links in die Seite gefahren, weshalb auch die hintere linke Tür einen anderen Farbton hat. (Brilliantsilber, statt Irridiumsilber)

Maßnahmen:

Da ich damals noch keinen Zugang zur Halle hatte und auch sonst nur den Parkplatz an der Straße zum Schrauben, ging das Ding direkt in die freie Werkstatt am Ende der Straße. Zumindest der Fehler mit der Lenkung musste schnellstmöglich weg. Im Fehlerspeicher stand der ABS-Sensor hinten links. Nach kurzer Recherche war klar, entweder ist es der Sensor, der wäre einfach zu tauschen oder der Sensorring, dafür muss die Antriebswelle raus. Es war natürlich letzteres. 
Ich habe das Ganze also Zähneknirschend in der Werkstatt machen lassen. Nach nem Kaffee mit dem Besitzer und einem kurzen Gespräch über mein eigentliches Fachgebiet, die IT, konnte ich noch raushandeln, dass zumindest die aktuellen Winterreifen auf die besagten Alufelgen umgezogen werden - ohne Aufpreis. Stahlfelgen waren und sind für mich einfach kein Zustand. 
Somit waren wir nach der ersten Woche immerhin schon mal ca. 550 € ärmer, hatten im Gegenzug aber wieder die Möglichkeit entspannt zu fahren und die Bremsscheiben durch die Felgen sehen zu können. ...hmm - die sollten wohl auch bald mal neu... 

 

Die ersten Umbauten

Das Auto sollte für mich ein Daily werden. Also vernünftig bleiben, nicht direkt komplett ausrasten – und Geld war damals sowieso knapp. Aber die 16-Zoll-Felgen, waren trotzdem kompletter Müll. Also umgeschaut und sofort in die Sportpaket-Felgen verliebt. Noch halbwegs komfortabel, aber optisch einfach eine ganz andere Liga und da Original auch keine Eintragung notwendig. Die üblichen Portale durchgeguckt, nach ca. 2 Wochen suchen habe ich dann ca. eine Stunde entfernt einen Satz gefunden, gekauft und abgeholt. Thema Felgen: erledigt.
Noch Reifen bestellt und schon Stand das Auto ganz anders da. So langsam hab ich mir den dann auch hübsch geschaut. 


Ach ja, das Batterie-Thema war ja auch noch da. Ich bin jeden Tag zur Arbeit gefahren, also ging’s irgendwie. Aber nach 3-4 Tagen Standzeit war die Batterie wieder platt und meine Notfallbatterie im Kofferraum durfte ran. Wo der Stromdieb sitzt, hatte ich bisher nicht wirklich rausgefunden.

Aber kommen wir zu den wichtigen Dingen 😄

Das COMAND von 2005 war halt… 2005. Also komplett outdated und der Navirechner wollte eh nicht. Ich hab den Versuch gestartet und ein China-Android-Radio bestellt. Nach zwei Amazon-Bestellungen inklusive Retouren (bei beiden war das Display tot – zum Glück vorher auf dem Tisch getestet), hab ich mich dann wirklich getraut, direkt in China zu bestellen. Nach rund 10 Tagen kam das Teil endlich an.

Damit das überhaupt irgendwie läuft, brauchte ich noch einen speziellen Kabelbaum , weil das Auto Glasfaser für das Audiosystem nutzt und ich irgendwie an die Lautsprecherkabel hinten ran musste. Zum Glück gibt’s dazu ’ne ziemlich große Community. Dazu noch eine kleine Endstufe und den originalen Harman-Kardon-Subwoofer organisiert, damits noch besser klingt.
Das hat alles ganz gut funktioniert. 

Der Stromdieb

Kleiner Exkurs an der Stelle in die Zukunft:
Das Telefon klingelt. Anonym - also mein Vater. "Felix, mein COMAND geht nicht mehr, hast du ne Idee?" 
Ich hatte am folgenden Wochenende eh geplant ihn zu besuchen, also neben der mittlerweile angeschafften StarDiagnose auch alle Teile von meinem alten COMAND eingepackt. 
Nein, sowas kommt hier nicht weg. Das kann man ja unter Umständen nochmal "irgendwann" gebrauchen.

Vor Ort haben wir dann ausgelesen und einiges getestet. Zuerst hatten wir das AudioGateway (AGW) in Verdacht. Das war - warum auch immer, wahrscheinlich Faulheit - noch in meinem Auto verbaut. Die AGW war bei mir durch das Chinaradio eigentlich ersetzt worden, war aber sogar noch mit Strom versorgt. Also ausgebaut, bei meinem Vater eingebaut. Weiterhin geht nix. Also wieder ausgebaut und bei mir in den Kofferraum geschmissen, war ja eh obsolet. Es war am Ende die Anzeigeeinheit, nun fährt er mit meiner alten Head-Unit rum.

Am Sonntag dann wieder zurück in den Norden um am Montag nach Bayern auf Dienstreise zu fahren. Nicht mit dem Benz sondern mit einem hoch emotionalem Skoda Oktavia Kombi. 
Zurück in der Heimat also erstmal wieder die Autos getauscht, endlich wieder Benz fahren. Der Benz stand solange in der Firmengarage, ca. 5 Tage lang. Geistesgegenwärtig und erschöpft steig ich ein, drehe den Schlüssel um und fahre los nach Hause und ab ins Bett. 
Kaum hingelegt schießt es mir in den Kopf: "WARUM IST DIE KARRE ANGESPRUNGEN?!" - eigentlich wäre ich auf die Notfallbatterie angewiesen gewesen. Nach ca. einer Stunde Brainstorming ist mir dann wieder in den Sinn gekommen, dass ja die längst überflüssige AGW ausgebaut wurde. Gut das hätten wir früher haben können, aber immerhin ist nun ruhe. 


Der zuverlässige Alltagsknecht

In den folgenden Wochen und Monaten war das Auto sehr zuverlässig. Zum Glück! Ich war nämlich voll auf das Auto angewiesen. Geschont wurde er nur bedingt. Klar, Ölwechsel, Warm und Kaltfahren, das gehört sich, aber sonst? Morgens die 10km zur Arbeit, am Freitagabend mit Vollgas zur Familie ins Rheinland oder mit schwerem Anhänger, er hat alles tadellos mitgemacht. 

Im April 2022 kam dann mein Dienstwagen über die Firma, nur ein kleines Auto, aber für den Nahbereich völlig ausreichend, aber damit war das Einsatzgebiet etwas neu definiert: Alles ab 50km, mit Anhänger oder zum Transport. Das Auto stand also auch mal 2-3 Wochen rum. Vielleicht hat er mir das ja persönlich genommen, dann fingen nämlich langsam die Probleme an. 
Jedenfalls ging es im Sommer 2022 noch in die Schweiz mit dem Auto. 4 Personen, Vollgepackt und wo ging mit Tempomat 200 durch die Nacht und nur kurz zum Tanken raus. Vorher noch ein wenig geschaut, ob alles passt. Nochmal frisches Öl rein, alles notwendige gecheckt und last minute noch die Motorlager gewechselt. Dabei ist mir dann ein defekter Ladedruckschlauch aufgefallen, der sich bei Last ordentlich aufgemacht hat. Ein ganz neues Fahrgefühl wenn der Ladedruck voll da ist und der Motor kaum noch spürbar ist. 



Bis heute bin ich der Meinung, die E-Klasse ist das synonym für entspanntes und zügiges Reisen.


Probleme und Umbauten

Ich bin mit dem Auto im Zeitraum 2021 bis 2024 ungefähr 50.000km gefahren. Das ist für meine Verhältnisse relativ wenig und liegt wahrscheinlich am alternativ zur Verfügung stehenden Dienstwagen, welcher auch mittlerweile durch ein potenteres Modell getauscht wurde und der 211er damit spätestens ab Frühjahr 2024 vollständig obsolet war. Aber auch in den 50.000km kann mehr als genug passieren. Ich frage mich, wann ich den Moment verpasst habe, das Auto einfach abzustossen ich war jedenfalls irgendwann am Point-of-no-return angelangt, so dass es dann nur noch hieß: Reparieren. 

Hier ein Auszug der größten Baustellen:

2021 – Felge kaputtgefahren

Nicht mal zwei Monate, nachdem ich die 18" Sportpaket-Felgen gekauft hatte, hab ich’s direkt geschafft: beide rechten Felgen nachhaltig geschrottet. Mitten in Hamburg, nachts, bei Regen – perfekte Bedingungen also, um dumm auszusehen. Beim Linksabbiegen hab ich eine Bordsteinkante zwischen den Fahrspuren übersehen. Zugegebenermaßen war die Kante da, damit man genau dort nicht abbiegt …. naja.. das Ergebnis seht ihr hier..

Der Zustand der Räder war für mich komplett unhaltbar. Also keine zwei Wochen später: neuer Satz Felgen, neue Reifen, einmal alles. Konto geweint, aber die Optik stimmte wenigstens wieder.


2022 – Sportpaket-Heckoptik

Nach den Felgen folgte die Sportpaket Heckschürze. Die hab ich für günstiges Geld bei einem lokalen Schlachter aus einem Brandschaden, inkl. der dazugehörigen Abgasanlage selber abgebaut. Sieht für mich so stimmiger aus. 


06/2023 – Vom Ladedrucksteller zum Ölkühler

im Sommer 2023 meldete sich der Notlauf. Laut Diagnose der Ladedrucksteller. Ich habe mir also einen Gebrauchten organisiert, hier war auch erstmal Ruhe, inkl. 1000km Anhängerfahrt in den Urlaub. Kaum zurück, ging das Spiel wieder los. Sehr gnädig... 
Nach etwas Recherche war klar, dass der Turbo wohl auch neu muss, die Vermutung war, dass das VTG-Gestänge zu schwer geht.
 
Also Turbo runter und damit kam auch das Ganze Ehlend zum Vorschein. Der Abgaskrümmer fing an sihc aufzulösen, die EKAS war maximal siffig und auch der Ölkühler unten im V fing an undicht zu werden. 
Juhu - einmal das volle Programm gewonnen.

Das Ganze war alles andere als günstig. Aber die typischen Problemstellen des Motors waren somit erledigt und ich war wieder ein Stück schlauer, oder traumatisierter. Je nach dem wie man es sieht. 

09/2023 – Elektrische Heckklappe / Harman Kardon

Nach dem Schock mit dem Ölkühler war klar, das Auto bleibt noch etwas im Fuhrpark, also "mal eben" die elektrische Heckklappe nachgerüstet. Aus dem gleichen Schlachter habe ich auch die restlichen Harman Kardon Lautsprecher besorgt. Das hat ordentlich was gebracht.


Frühjahr 2024 – Bremsenumbau & Achsrevision

 Große Kur: Einmal die Komplette Vorderachse auf Vordermann gebracht. Neue Traggelenke und auch sonst alle Lagerstellen ausgetauscht, dabei noch 30mm H&R Federn rein und die Bremse geupgraded. Vorne bremst nun der Festsattel aus dem E500.



Wirtschaftlicher Totalschaden? 

Ich war umgezogen, alles soweit durch, nur der 211er stand noch am alten Wohnort. Also meinen Kumpel eingesackt, ab hin, Auto geholt. Noch einen kurzen Kaffee-Stopp an der Alten Schmiede und dann auf Richtung neue Heimat, ca. 130 km. Die letzte Etappe: unbegrenzte Autobahn. Ich vorne im Dienstwagen, mein Kumpel hinter mir im Benz. Reisetempo um die 180.

Auf einmal sehe ich im Rückspiegel: Warnblinker am Benz an, Flucht auf den Verzögerungsstreifen einer Ausfahrt. So schnell konnte ich kaum schalten. Also Kumpel angerufen, nächste Ausfahrt raus, gewendet und zurück.

Er sagte nur: „Der Motor hat kein Gas mehr angenommen und ist ausgegangen.“

Bei ihm angekommen, Haube auf – sofort ein kräftiger Dieselduft in der Nase. Zündung an … und der Diesel schießt nur so aus der Hochdruckpumpe raus. Schnell war klar, dass es hiernicht weiter geht. Also zur nächsten Tanke, Abschleppseil gekauft, den Benz an den Haken genommen und nach kurzer Rücksprache auf dem Parkplatz eines naheliegenden Unternehmens abgestellt. Eine Woche später dann mit Anhänger wieder hin und den Wagen geholt. 


Diagnose Teil 1:

Zuhause angekommen fiel direkt auf: Die Schrauben, die die beiden Hälften der Hochdruckpumpe zusammenhalten, waren lose – teilweise fehlten sie sogar. Da kam natürlich der Diesel raus. Pumpe ausgebaut → alle Schrauben erneuert → wieder eingebaut.

Und siehe da: Die Karre lief wieder.

Ich bin in dem Zustand ungefähr 500 km gefahren. Ein Abend bin ich Richtung Bad Segeberg (wir wollten uns ein mögliches Auto für den Carbage Run ansehen). Schon auf dem Hinweg nach ca. 50 km leichte Vibrationen. Im Auge behalten, weiter. Auf dem Rückweg (Auto dort war natürlich Schrott) fing der Benz an zu stottern, bis gar nichts mehr ging. Ich hab ihn in einem Gewerbegebiet in Neumünster abgestellt. Nach ein paar Telefonaten wurde ich abgeholt – der Wagen blieb zurück.

Eine Woche später haben wir ihn dann in die Alte Schmiede geschleppt.

Diagnose Teil 2:

In der Schmiede dann die erste Diagnose: wieder Spritdruckprobleme. Die Innentankpumpe machte Geräusche wie ein sterbender Föhn. Also getauscht – brachte nix.
Das Auto kam dann irgendwann wieder mit in die neue Heimat. Leider nur auf einem Anhänger. 

Dort ging die Fehlersuche weiter: alles durchgetestet, nach und nach ausgeschlossen. Die Fehler konzentrierten sich auf eine Seite des V-Motors. Kompression laut StarDiagnose unplausibel – aber nur einseitig. Injektorwerte komisch – aber wieder nur einseitig. Andere Sensoren: „Da stimmt was nicht.“

Was genau – keine Ahnung.

Neue Pumpe? Auf Lager. Neue Injektoren? Auf Lager.
Ergebnis? Genau null.

Zu dem Zeitpunkt herrschte in der neuen „Zweigstelle“ noch Werkzeugmangel. Also Kompressionsmesswerkzeug bestellt. Gemessen. Ergebnis:
Eine Seite: 0 bar. Komischer Weise die andere, zuerst "normal" wirkende Seite.

Der Schock saß tief. Feierabendbier auf. Erstmal nachdenken.

Reparieren oder abstoßen?

Ich war wieder an dem Punkt: Mach ich weiter oder schmeiß ich das Handtuch?

Kurz überschlagen, was schon alles drinsteckt. Mir wurden 500 € für das Auto geboten. Im Ernst? Für das? Nee. Auf keinen Fall.
Also weitermachen. 
Auseinanderbauen kostet erstmal nur Zeit.

Das V war schnell auseinander. Turbo runter, Ansaugung weg, das ganze Geraffel vorne abgebaut. Hatte ich ja alles schon mal in der Hand, also diesmal ohne großes Kopfkratzen. Lustigerweise war’s auf den Tag genau zwei Jahre nach dem letzten Mal, als ich den ganzen Mist auseinander hatte – nicht geplant, aber anscheinend hält der Motor sich daran, alle zwei Jahre irgendwas Größeres von mir zu wollen. Anschließend kurzer Blick ins WIS, Ventildeckel runter. 

Erster Eindruck: Hm. Sieht doch alles ganz okay aus. Niederhalter für die Nockenwellen drauf und einmal durchgedreht… Also den Motor. Ich kurz danach.
Alles drehte sich, Steuerzeiten schienen zu passen. Auf den zweiten Blick wurde der Fehler klar:

Die Einlassnockenwelle auf der Fahrerseite dreht nicht mit.


Der Zahnkranz ist - oder besser war mal - auf die Nockenwelle gepresst. Das Rad drehte noch, die Nockenwelle selbst nicht. Und genau dieses Rad treibt auch die Hochdruckpumpe an. Damit war eigentlich alles gesagt.
Einige Kipphebel waren gebrochen, also sind die Ventile wahrscheinlich auch krumm.

Juhu. Freude kam auf. 

Wieder kurz nachgedacht, wie und ob es weitergeht. Eigentlich hätte ich an der Stelle sagen können: „Reicht jetzt.“ Aber mein Antrieb war wieder, dass ich dabei ordentlich Erfahrung sammeln kann. Also weiter. Kopf runter.

Zeitgleich hab ich mir einen gebrauchten Kopf bestellt, komplett mit allem Gedöns. Den sauber gemacht und direkt zum Motorenbauer gebracht. Einmal prüfen, planen, Ventile machen – das ganze Programm.

Der Kopf ist inzwischen wieder drauf.

Stand heute: Die Steuerkette muss nochmal umgesetzt werden, weil ich beim Montieren einfach zu viel Lose drin hatte. Läuft.

Das Auto steht nun schon über ein Jahr und da es mir in der Garage grad zu kalt ist, dachte ich, schreibe ich die unendliche Geschichte mal auf. Das Auto wollte ich eigentlich Ende letzten Jahres verkaufen, da Platz für ein neues Projekt her sollte. Den Diesel Daily brauchte ich einfach nicht mehr. Trotzdem bin ich mir bis heute unsicher, ob ich den Wagen wirklich verkaufe, sobald er wieder läuft. Wir werden sehen.

Und genau da steht der Wagen jetzt. Nicht kaputt genug zum Wegwerfen, nicht fertig genug zum Fahren. 
Teile liegen bereit, Werkzeug liegt bereit – und der Motor wartet geduldig darauf, dass ich mich wieder motivieren kann.

 Stand 30.11.2025